Interview: Erwin Schrott

(Das Opernglas – July 2008)

«Die Karrierekurve von Erwin Schrott weist steil nach oben. Hinzu kommt seit einigen Monaten der Rummel um sein Privatleben. Wie er mit all dem umgeht, verriet er unserem Mitarbeiter Johannes Schmitz in Berlin. Ausschnitte aus dem Interview.

Seit Ihrem letzten „Opernglas“-Interview vor anderthalb Jahren ist viel passiert in Ihrem Leben, beruflich wie privat. Sie sind einer der weltweit gefragtesten Don Giovannis, und Donna Anna – Anna Netrebko – erwartet ein Kind von Ihnen. Es scheint, dass die Oper und das wirkliche Leben eine Schnittmenge haben.
Sie werden verstehen, dass ich mein Privatleben äußerst sorgsam behandle und nicht gern darüber rede.

Absolut. Doch welche Konsequenzen ergeben sich für Sie daraus, dass Anna Netrebko und Sie ein Paar sind?
Nun, ich koche heute besser, und sie mag, was ich koche…, und ich lerne jetzt Russisch und versuche, Anna etwas Spanisch beizubringen.

Und beruflich? Gibt es gemeinsame Pläne?
Nein, nicht wirklich. Wir reden kaum über unsere beruflichen Laufbahnen.

Aber unterstützen Sie sich nicht gegenseitig, etwa in gesangstechnischen Fragen oder wenn es um Interpretationen geht?
Doch, das tun wir gelegentlich. Denn natürlich bewundere ich sie sehr als Künstlerin. Sie ist sehr konsequent in allem, was sie tut, und sie besitzt eine ungeheure Professionalität. Trotzdem reden wir gar nicht so viel über unsere Arbeit. Wenn wir zusammen sind, steht unser Privatleben im Vordergrund.

Also fühlen Sie sich nicht wie das neue Traumpaar der Opernszene?
Oh Gott, nein. Uns gibt es wirklich, wir sind ganz normale Menschen. Wir haben lediglich das Glück, gemeinsame Interessen zu haben und diese Liebe zur Musik teilen zu können, aber ansonsten sind wir wie jedes andere Paar auf der Welt und leben ein ganz normales Leben. Natürlich ist unser Lebensrhythmus ein anderer, ein schnellerer, allein durch die vielen Reisen.

Es ist sicher sehr angenehm, einen Partner zu haben, dem man nicht erklären muss, was der Job als Sänger für Anforderungen mit sich bringt.
Ja. Es fällt uns deshalb leichter, einander zu respektieren und uns gegenseitig zu verstehen. Da ich selbst Opernsänger bin, weiß ich natürlich, was Anna als Sängerin vor einem Auftritt braucht. Doch vergessen Sie nicht: Sie ist eine Frau und zumal in diesen Fragen eine sehr kluge dazu. Sie lebt ihr eigenes Leben, was die Karriere anbelangt. Sie hat so viele Verpflichtungen und steht unter einem enormen Druck. Dafür bewundere ich sie.

Sänger vergangener Jahrzehnte wirkten weniger nahbar. Vielleicht hat sich aber auch nur die Welt um die Sänger herum gewandelt und ihre Darstellung durch die Medien. Wer hat sich denn nun verändert: Wir oder die Sänger?
Als ich einmal mit einem Freund in einer Bar war, haben wir über ganz normale und profane Dinge gesprochen, über Sport etwa. Da kam ein junger Mann auf mich zu und sagte mit tiefschwarzer Stimme, die ihn wohl als Sänger ausweisen sollte: „Sind Sie es, Herr Schrott, der berühmte Opernsänger?“ Ich antwortete: „Ja, hi, ich bin Erwin.“ Darauf sagte der Mann: „Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich auch Sänger bin.“ Da war er, der Stereotyp des Sängers, der versucht, mit seiner Stimme zu beeindrucken. Aber meine Sängergeneration „tickt“ eigentlich schon völlig anders.»

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