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Koloraturen und Terror — 22-09-2009

Posted in Reviews (all), Reviews 2009 on September 22, 2009 by Giorgia

by Georg Rudiger (Badische Zeitung)

Die jüngste Terrordrohung gegen Deutschland ist nur wenige Tage alt, da sieht man auf der Bühne des platter Aktualisierungen eher unverdächtigen Zürcher Opernhauses einen Islamisten. Er kombiniert olivgrüne Kampfklamotten mit Rauschebart und Mütze und schlägt gern mit der Faust auf den Tisch, wenn er nicht in einer Höhle mit einem Satellitentelefon hantiert oder mit gefesselten Händen auf dem Boden liegt, gekleidet in ein orangefarbenes Guantanamo-Kostüm. Es ist Anna Netrebkos Verlobter Erwin Schrott, der in Rossinis 1818 für Neapel entstandener Opera seria “Mosè in Egitto” die Titelpartie singt.

Moses war mutmaßlich weder Islamist noch Terrorist, aber für das Regieduo Moshe Leiser und Patrice Caurier spielt das keine Rolle. Der Prophet erinnert die beiden “in seinem Fanatismus an all die religiösen Führer gleich welcher Couleur, die sich im Besitz der einzigen Wahrheit wähnen”. Deshalb erstaunt es nicht, dass Moses’ bärtiger Bruder Aronne (mit hellem Tenor: Reinaldo Macias) mit Kippa und rhythmischen Gebetsbewegungen als Jude zu identifizieren ist. Die Ägypter mit ihrem Faraone (Michele Pertusi) repräsentieren in der Sichtweise der Regie die von der aktuellen Wirtschaftskrise gebeutelte westliche Gesellschaft, die Ziel terroristischer Gewalt wird. Statt ein Unwetter zu beschwören, lässt Moses am Ende des ersten Aktes zwei Bomben explodieren. Immer wieder taucht der zottelige Prophet auf, um die Partystimmung zu stören – bis er am Ende sein züchtig gekleidetes Volk doch durch das auf eine Leinwand projizierte Rote Meer führt, ehe die Ägypter von der Zürcher Unterbühne verschlungen werden. Soweit der Aktualisierungsversuch der Regie, der aus mehreren Gründen scheitert. Zum einen widersetzt sich Rossinis federnde, selbst im Pathos von großer Leichtigkeit und Eleganz getragene Musik diesem gewaltvollen Zugriff. Koloraturen und Terror – das passt nicht zusammen, zumindest nicht in der naiven, gänzlich ironiefreien Sichtweise von Leiser und Caurier. Zum anderen erzählt die dreiaktige Oper eine andere Geschichte – von Urvertrauen und Wortbrüchen, von der Flucht eines Volkes, von einer unmöglichen Liebe zwischen dem Ägypter Osiride (Javier Camarena) und der Hebräerin Elcia (Eva Mei).

Die Regisseure bebildern den auf Dauer erschreckend langweiligen Abend mit ungeheurem Aufwand (Bühne: Christian Fenouillat, Kostüme: Christophe Forey, Hans-Rudolf Kunz). Im ersten Akt ist ein Börsenraum eingerichtet mit Flachbildschirmen, Bürostühlen und einer Aktientafel an der Wand. Später werden zwei Designerküchen, ein Auto, ein Hotelzimmer und ein Büfett auf die Bühne gerollt. Sondereinsatzkommandos seilen sich von der Bühnendecke ab und prügeln lautstark mit ihren Schlagstöcken auf Moses ein – spätestens hier kann man diesen Opernabend nicht mehr ernst nehmen.

Leider liegt auch musikalisch vieles im Argen. Paolo Carignani versteht es nicht, das Opernorchester halbwegs sicher durch den Abend zu führen. Die Streicher vergeigen viele Rezitative, die Bläser wackeln, selbst die Schlagzeuger sind häufig nicht Herr des Geschehens. Es fehlen Präzision, Inspiration und vor allem Tempo. Die Partitur wird buchstabiert, statt interpretiert, die motorische Energie Rossinis entfaltet sich nur in wenigen Momenten.

Auch gesanglich hat man in Zürich schon bessere Abende erlebt. Am überzeugendsten sind Eva Mei als koloraturensichere, über viel lyrisches Potenzial verfügende Elcia und Sen Guo als ebenso bewegliche, feingliedrige Amaltea. Michele Pertusis Faraone ist zwar wuchtig, aber zu wenig nuancenreich – in der Tiefe ist sein Bass seltsam dünn. Auch Javier Camarena malt nicht gerade mit feinem Pinsel. Seine Spitzentöne sind zwar strahlend und kräftig – seinem nasalen Tenor fehlt es jedoch an Wendigkeit und Bodenhaftung. Neben dem soliden Peter Sonn (Mambre) gefällt vor allem Erwin Schrott mit seinem virilen, zunächst etwas ungestümen Bassbariton, der wie bei der Preghiera “Da tuo stellato soglio” (Von deinem Sternenthron), in der vor dem Exodus nochmals Gottes Hilfe erfleht wird, ganz zart werden kann.

Szenisch ist das Ensemble auf verlorenem Posten. Man steht herum, macht wie die immer gut singenden Zürcher Choristen ein absurdes Tänzchen im Bürostuhl oder wartet einfach, bis die hochgerüsteten Polizisten wieder verschwunden sind. Personenregie findet nicht statt. Warum auch? Die würde bei diesem wenig subtilen, aber heftig bejubelten Abend nur stören.

Kein Mitleid mit Börsianern — 21-09-2009

Posted in Reviews (all), Reviews 2009 on September 21, 2009 by Giorgia

by Oliver Schneider (Wiener Zeitung)

Rossinis Vertonungen des Auszugs des Volks Israels aus Ägypten stehen nicht häufig auf den Spielplänen der Opernhäuser und Festivals. Heuer innerhalb von zwei Monaten gleich zweimal: Die spätere französische Grand Opéra-Fassung “Moïse et Pharaon” war ein glückloser Teil von Jürgen Flimms Salzburger Sommerprogramm; nun hat Alexander Pereira in Zürich die ursprüngliche italienische Fassung genutzt.

Die richtige Wahl, denn die beiden Handlungsstränge (der Machtkampf zwischen Moses und Pharao sowie eine unerlaubte Liebe des Nachwuchses) sind so miteinander verflochten, dass die Spannung über den rund zweieinhalbstündigen Abend nie abfällt.

Moshe Leiser und Patrice Caurier übertragen “Mosè in Egitto” auf die wachsende Ohnmacht der westlich-laizistischen Gesellschaft gegenüber religiösen Fanatikern jeder Couleur. Die Ägypter repräsentieren die materialistische Welt, die zu Beginn ansehen muss, wie die Börsenkurse ins Bodenlose sinken. Erst der religiöse Fanatiker Mosè lässt die Kurven wieder steigen. Gut und Böse lassen sich in dieser Inszenierung aber nicht eindeutig zuordnen. Der Pharao und seinesgleichen sehen sich als die besseren Menschen an, die jedoch permanent um ihre Sicherheit fürchten müssen. Die Machtlosen, bei Rossini die Israeliten, legen ihr Schicksal in die Hände der Fanatiker Mosè und Aronne und gelangen so in die Freiheit. Doch um welchen Preis für die Welt?

Leiser und Caurier und ihr Bühnenbildner Christian Fenouillat haben ein eindrückliches Schlussbild gefunden: Nachdem Mosè die Israeliten unter dem Meer durchgeführt hat – die das Meer repräsentierende Rückwand hebt sich –, ertrinken die Verfolger in einer Flutwelle. Nur der Pharao überlebt und sieht sich zu beruhigendem G-Dur Fotos von religiös begründeten Gräueltaten gegenüber.

Szenisch also ein Wurf, aber auch musikalisch. Der Pesaro-erfahrene Paolo Carignani beweist, wie sehr ihm Rossini im Blut liegt. Mit dem Zürcher Orchester widerlegt er das Vorurteil, dass Musik und dramatische Handlung schlecht zueinander passen, und arbeitet die Reichtümer der Partitur heraus. Ebenso eine Höchstleistung liefert der Chor, dem Rossini den tragenden Part zugedacht hat.

Die Elcìa von Eva Mei gehört musikalisch und darstellerisch zum Besten, was man bisher von der Sopranistin mit dem kristallinen Timbre erlebt hat. Javier Camarena ist ihr geliebter Osiride, mit agilem und höhensicherem Tenor, wenn auch zuweilen etwas unruhig liegend. Ein kontrastreiches Bass-Duo: Michele Pertusis Pharao tönt substanzvoll, während Erwin Schrott dem Mosè seine kernige Stimme verleiht, die in allen Lagen brilliert.

Moses, der Fanatiker, benimmt sich wie ein Terrorist — 21-09-2009

Posted in Reviews (all), Reviews 2009 on September 21, 2009 by Giorgia

by Thomas Meyer (Basler Zeitung)

Die Aktien fallen, Investitionen bleiben aus, die Börse crasht. Diese Aktualitäten liessen sich auch als biblische Plagen deuten: kein Regen, Dürre, keine Ernte, Hunger. Umgekehrt betrachtet: Die Not, die Moses über Ägypten brachte, gleicht der aktuellen Wirtschaftskrise. Davon erzählt in der Zürcher Inszenierung nun Gioacchino Rossinis Oper «Mosè in Egitto», die 1818 und überarbeitet 1819 in Neapel uraufgeführt wurde.

Der Pharao will die Hebräer nicht ziehen lassen; seine Erlaubnis widerruft er mehrmals, worauf Moses jeweils noch eine Plage hinzufügt. Es ist Terror, den der Prophet hier anwendet, um zu seinem Ziel zu gelangen. Und er erreicht es. Die Geschichte endet bekanntlich mit dem Untergang des ägyptischen Heers im Roten Meer.

Es ist reiz- und effektvoll, diesen alttestamentarischen Stoff so zu aktualisieren, wie es nun das belgische Regieduo Moshe Leiser und Patrice Caurier am Opernhaus tun. Und es ist nicht unproblematisch. Schuld an der Krise sind in dieser Lesart die Hebräer; Moses erscheint als Bin-Laden-ähnlicher Fanatiker, in einer Szene wird er wie ein Guantánamo-Häftling traktiert.

Solche Übertragungen werden nicht allen Zuschauern passen. Immerhin konsequent, wie die Handlung in die Gegenwart verlegt wird, wobei noch weitere Ebenen ins Spiel kommen. Die Kostüme (Agostino Cavalca) sind ebenso modern wie das Bühnenbild von Christian Fenouillat. An Mafiafilme («The Sopranos») erinnert eine Szene in der Tiefgarage, wo der Pharao den unnachgiebigen Moses von Schergen zusammenstauchen lässt. Und wenn sich der Herrscher aller Ägypter am Frühstückstisch in der Einbauküche mit seinem Sohn Osiride unterhält und nach seinen Problemen fragt, sieht das aus wie in einer TV-Soap.

So entstehen ungewöhnliche, durchaus in sich schlüssige Bilder, die allenfalls in der Aufeinanderfolge nicht immer ganz stringent wirken. Mal werden die Ägypter als Börsianer dargestellt, dann wieder als feine Gesellschaft, die zuletzt aber auch noch als Heer fungieren muss, und bei den Hebräern sind nur Mosè und sein mit einer MP bewaffneter Bruder Aronne wie arabische Terroristen gekleidet, während die Flüchtlinge sonst an Juden aus dem Warschauer Ghetto erinnern.

Trotz dieser Ungereimtheiten entsteht eine farbige, lebendige Inszenierung, dies vor allem, weil die beiden Regisseure nicht an ihrem Konzept kleben, sondern die Figuren mit Leben und Gefühlen erfüllen. In der erwähnten Vater-Sohn-Szene etwa erscheint Michele Pertusi, ein beherrschter Bass mit Gewicht, ernstlich besorgt um seinen Sohn, der mit der Wahrheit nicht herausrücken will. Dessen Angst ist im wunderbar hellen Tenor von Javier Camarena (der einzig in den Tiefen etwas blass wirkt) auch körperlich spürbar. Überhaupt wird die Ambivalenz der Figuren deutlich: der so mächtige Pharao ist aus Liebe zu seinem Sohn wankelmütig, und dieser, eigentlich zärtlich in die Hebräerin Elcìa verliebt, ist zu jeder Brutalität bereit.

Die zentrale Figur des Stücks ist – sowohl emotional als auch von der Moral her – eben diese Elcìa, der Eva Mei immer mehr Wärme und Präsenz verleiht. Erwin Schrott als Moses erfüllt seine Rolle darstellerisch und vokal mit Kraft und wirkt wie ein unbewegliches Bollwerk in der Handlung.

Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Star des Abends sich so überzeugend in Rolle und Konzept einfügt. Gerade in der Darstellung dieses Moses erweist sich, wie genau Leiser/Caurier in diese «Azione tragico-sacra» hineingeschaut haben. Rossini und sein Librettist Leone Andrea Tottola zeigen Moses nämlich als unerbittlichen Eiferer, der mit Härte vorgeht und dem es an wirklicher Grösse mangelt. Die Regie setzt diese Umdeutung einer zentralen Patriarchenfigur unserer Kulturgeschichte, die in der Vorlage vollzogen wird, auf glaubwürdige Weise um.

Zu Hilfe kommt den Regisseuren Rossinis Musik, die jede sakrale Schwerfälligkeit, wie man sie bei einer biblischen Opera seria erwarten könnte, umgeht, die äusserst wirkungsvolle Szenen aufbaut, aber auch Unerwartetes bereithält. Entsprechend wird sie nun in Zürich gestaltet. Gewiss: es wäre einmal interessant, auch die italienische Oper des frühen 19. Jahrhunderts – ähnlich wie Beethovens und Schuberts Musik – durch die Erfahrungen der authentischen Aufführungspraxis zu hören. Hier besteht Nachholbedarf. Aber der italienische Dirigent Paolo Carignani, zuletzt Generalmusikdirektor in Frankfurt, nimmt die Musik so agil und frisch, stellenweise fast schmissig, dass man ständig mitgezogen wird. Und das Orchester der Oper Zürich klingt richtig schön.

Im Übrigen sind selbst die kleinen Rollen bestens besetzt, so mit Reinaldo Macias als Aronne, Peter Sonn als Mambre und Anja Schlosser als Amenofi. Sen Guo als besorgte Pharaonenfrau Amaltea beschert dem Publikum einen der vokalen Höhepunkte des Abends. Die Leistung des Ensembles ist also insgesamt exzellent, und sie wird ergänzt durch den glänzend von Jürg Hämmerli vorbereiteten Opernchor, der zu einem zweiten Hauptakteur in der Oper heranwächst.

Nur den Schluss verschenken die beiden Regisseure, weil sie glauben, noch eins draufgeben zu müssen. Die Szene am Roten Meer, das sich für die Hebräer teilt und dann die Ägypter unter sich begräbt, brachte Rossini bei der ersten Uraufführung trotz musikalischen Erfolgs einige Buhrufe ein, weil sie so ungeschickt gelöst war. In Zürich nun überzeugt der Untergang der Ägypter szenisch sehr. Noch bedrückender wäre es wohl, wenn zu der darauffolgenden und das Werk auf geniale Weise abschliessenden Meeresstille nun auch eine leere Bühne erschiene. Stattdessen erhebt sich eine hohe Bilderwand, und sie zeigt uns noch einmal all die Schreckensbilder des Terrors, die wir täglich in den Tagesschauen sehen. Das soll wohl unter die Haut gehen, wirkt aber plakativ wie eine Benetton-Werbung.

Sex and blood and Mozart Don Giovanni – 15-08-2009

Posted in Reviews (all), Reviews 2009 on August 15, 2009 by Giorgia
By George Jahn (Associated Press)

VIENNA — Blood. Glitzy costumes. Magnificent voices and gorgeous soloists. Clever directing.

Welcome to a very good production of Mozart’s Don Giovanni.

Friday’s staging Vienna’s Theater an Der Wien did not break new ground — the production first premiered in 2006.

But it has weathered well.

Directed by Keith Warner, this Don is more than a manic casanova who has had his way with more than 2,000 women in his life. The man is funny, tender, menacing — and ultimately pitiable, as he expires on stage in a plexi-glass case smeared by his own blood, rather than renouncing his licentious life.

Much of the credit goes to Erwin Schrott, a.k.a. Mr. Anna Netrebko.

Built like a god, and with a voice to match, Schrott’s Don Giovanni captivated the sellout crowd in the sculpted and gilt theater on the banks of Vienna’s huge farmer’s market.

Brutal? Yes, stabbing the father defending the honor of his daughter. Contemptible for the way he treats women as playthings? Surely.

But above and beyond all, Schrott’s Don was human, from the beginning — as a young rake concerned only with improving his “score” — to the final moments, when old but unrepentant, he goes to his own private hell.

A sinner? Yes, but above all, a man who remains true to himself.

Darkness. Death. Suffering. Mozart and librettist Lorenzo Da Ponte had it otherwise in the original, with all the main characters wronged by the Don taking to the stage one more time to sing of their personal redemption, now that the evildoer had been dragged to the eternal fires in a scene that they meant to be merely symbolic — not bloody.

Not Friday. The stage falls as the hero-villain expires. A dark ending at odds with the ‘dramma giocoso” — jocular drama – envisaged by Mozart and Da Ponte. But one that leaves a more lasting impression.

And if Schrott had star qualities, the stage was a veritable Milky Way on Friday.

Hanno Mueller-Brachmann was the perfect foil to Schrott’s Don as his manservant, Leporello. Both baritones, the two complemented each other perfectly — two men on a shared life journey, an 18th century Odd Couple of the 18th century who coexist only because they cannot exist apart.

Nina Bernsteiner was a wonderful Zerlina, the maid who is one of the Don’s many targets. And Markus Butter captivated as a lovingly doltish Masetto, Zerlina’s sweetheart.

And stone-faced in this particular case is meant as a compliment — Attila Jun, the commendatore, the father who dies defending his daughter’s honor only to consign the Don to hell comes back as a very convincing marble bust to carry out his final duty.

Also good were Veronique Gens as Donna Elvira, Aleksandra Kurzak as Donna Anna and Bernard Richter (Don Ottavio). They were superb solo, in their trio “Protegga, i giusto cielo” and other ensemble singing.

Warner put most of the action in a hotel — a good choice for the opera’s amorous theme.

Riccardo Frizza coaxed the most out of the ensemble in the pit — members of the Radio Symphony Orchestra Vienna. A special kudos to cellist Maria Gruen, who shone in some of the more tender love duets between the Don and his victims.

For George Bernard Shaw, Don Giovanni was “eminent in its uncommon share of wisdom, beauty and humor.”

He would have enjoyed Friday evening.

Incanto, leggerezza ed ironia nella briosa edizione barese de ‘L’elisir d’amore’ di Donizetti — 30-06-2009

Posted in Reviews (all), Reviews 2009 on June 30, 2009 by Giorgia

by Enzo Garofalo (Cannibali.it)

“La poesia…consiste in ciò che si trova nel mondo, al di qua di quanto ci è permesso di osservare”. Ad affermarlo era il grande artista belga René Magritte la cui pittura attingeva al mistero indefinibile del reale ed il cui immaginario ha fortemente ispirato le splendide scene che Tommaso Lagattolla ha ideato per l’edizione barese dell’opera ‘L’elisir d’amore’ di Gaetano Donizetti, andata in scena il 29 giugno allo Spazio 7 della Fiera del Levante, ultima opera del cartellone della Fondazione Petruzzelli prima della pausa estiva. Se infatti è dal mondo reale che questo delicato e poeticissimo melodramma giocoso attinge le dinamiche del sentimento d’amore, di fatto poi le traspone in una dimensione quasi fiabesca, il che certamente ne spiega, insieme alla bellezza della musica, l’ininterrotto e diffuso successo a partire dalla sua prima messa in scena nel 1832 al Teatro della Cannobiana di Milano. Con incanto, leggerezza ed ironia Donizetti ed il suo librettista Felice Romani raccontano, ambientandole nei Paesi Baschi, le vicende della ricca e colta fittavola Adina e dell’umile contadino Nemorino che s’innamora perdutamente di lei. Egli fa di tutto per conquistare l’amore della ragazza che, indispettita dalla sua corte, sta per sposare Belcore, sergente di un esercito di passaggio. Ispirato dalla storia dell’amore di Tristano e Isotta che la stessa Adina ama narrare ai suoi villici e dal ruolo che in essa ha una certa magica pozione, Nemorino decide di acquistare dal ciarlatano dottor Dulcamara un magico filtro (in realtà del semplice vino Bordeaux) che dovrebbe aiutarlo ad accattivarsi l’attenzione della fanciulla ritrosa e civetta. A furia di assumere la ‘misteriosa’ bevanda il giovane si ubriaca e mancando del denaro per acquistare un’ulteriore dose finisce con l’arruolarsi nell’esercito di Belcore, mentre Adina commossa per il gesto gli confesserà il proprio affetto. Belcore accetta di buon grado la sconfitta d’amore, mentre Dulcamara lascia il villaggio decantando le proprietà del suo ‘prodigioso’ elisir.
Testualmente tratto da ‘Le philtre’ (Il filtro) di Eugène Scribe, da un punto di vista più strettamente musicale l’Elisir è discendente sia della vecchia opera buffa settecentesca che della sublime inventiva rossiniana, su cui però si innesta la personalissima cifra melodica di Donizetti insieme a quella sua capacità di saper far sorridere e commuovere al tempo stesso. Umorismo sì, ma condito da sentimenti presi dalla vita reale come lo struggimento dato dalla passione frustrata e dalla delusione per una speranza mal riposta. Le inquietudini che attraversano l’animo di Nemorino ne fanno una persona dalle emozioni autentiche, per quanto impacciata e poco intraprendente. E realistica appare anche la figura di Adina che pur civettuola non è priva di un suo certo acume, per cui appare improbabile che potesse mai provare degli autentici sentimenti d’amore verso uno che come Belcore canta “Son galante, e son sergente”: non a caso, sia pure dopo un contorto intrecciarsi di circostanze – questo sì decisamente romanzesco – entra in sintonia con i fremiti del cuore di Nemorino, la cui audacia finale è dettata più da un disperato desiderio d’amore che non dalla cieca fiducia nell’elisir di Dulcamara. Significativa in proposito è la romanza ‘Una furtiva lagrima’ da lui cantata quando si accorge di una lacrima negli occhi di Adina che gli rivela l’amore di lei. Decisamente efficaci nella resa vocale e scenica dei due protagonisti, sono stati il soprano Roberta Canzian, una temperamentosa e accattivante Adina, e il giovane tenore russo Alexey Kudrya, che è riuscito a tratteggiare un Nemorino molto meno sciocco e imbranato del solito. Apprezzabile anche la performance del baritono Luca Salsi, un Belcore impettito e borioso al punto giusto.
Più tipicamente da farsa invece il personaggio del ciarlatano Dulcamara, tuttavia anch’esso non privo di legami con la realtà in quella sua ostinata arte di arrangiarsi e di imbrogliare che tanto ricorda un certo diffuso costume italiano. Ed è tutto su una accentuata comicità d’azione e di dizione che lo ha caratterizzato il fisicamente prestante basso uruguaiano Erwin Schrott, notevole per potenza vocale e capacità di dominare la scena attraverso divertenti e caricaturali sketch condivisi con un suo muto e buffo assistente magistralmente interpretato dall’attore Pasquale De Marzo. Positivo anche il contributo del soprano Filomena Diodati nel più defilato – sul piano canoro – ruolo della villanella Giannetta. Ottima la performance del Coro della Fondazione Petruzzelli come sempre mirabilmente guidato dal M° Franco Sebastiani.
L’Orchestra della Provincia di Bari dal proprio canto ha portato a termine una buona esecuzione musicale dell’opera sotto la guida della canadese Kery-Lynn Wilson che, se si esclude la scelta di alcuni tempi discutibilmente lenti in alcuni passaggi, ha offerto una lettura abbastanza equilibrata della frizzante partitura donizettiana.
Un’opera così spumeggiante per quanto a tratti velata di malinconia, si è prestata alla perfezione alla dinamicissima regia concepita da Francesco Esposito, piena di simpatiche trovate teatrali, come quella della euforia erotica creatasi intorno al gruppo di soldati di passaggio, che vede improvvisamente coinvolti tutti i contadini (uomini compresi!), o quella delle villanelle discinte che, appresa la notizia dell’eredità d’un tratto toccata in sorte a Nemorino a causa della morte di uno zio, cercano di sedurlo a tutti i costi. Ad arricchire la regia è stato rilevante anche l’inserimento di movimenti scenici curati dal coreografo Domenico Iannone. Di Francesco Esposito anche i coloratissimi costumi in stile tardo settecentesco ben armonizzati con una scenografia costituita da tre piccole case semoventi dalle finestre illuminate (una di esse è la rivendita di illusioni di Dulcamara) e da diversi e ben coordinati accessori di scena per la quale, come già accennato, il talentuosissimo Tommaso Lagattolla si è ispirato alla pittura di Magritte, ai suoi colori, alle sue nuvole, alle sue mele, al suo ‘impero della luce’ e più in generale al suo stile da illustratore che ha contribuito a sottolineare la componente fiabesca dell’opera.
Numerosi e convinti gli applausi del foltissimo pubblico che ha gremito la platea dello Spazio 7, confermando l’immutata popolarità di questa gradevolissima opera.

Doktor Faustus di Gounod — Valencia 8/2/2009

Posted in Reviews (all), Reviews 2009 on February 12, 2009 by Giorgia

by Carlo Lanfossi (Il Giornale della Musica — English version here.)

«La corrispondenza fra arte e vita è argomento più che abusato negli allestimenti di melodrammi, ma mai è stato sfruttato così bene come in questo Faust di Gounod andato in scena nell’avveniristico complesso valenciano Palau de les Arts: lo spettacolo, nato a Covent Garden nel 2004, è uno dei più riusciti del talentuoso regista David McVicar, il quale sposa il tema di fondo del Doktor Faustus di Mann facendo del protagonista non già un medico, bensì un compositore. Da qui, il continuo gioco di rimandi fra realtà (la Francia dell’epoca di Gounod) e il teatro: il tutto animato da un lavoro di recitazione sui personaggi che è firma di lusso del regista scozzese. Moltissimi gli esempi che andrebbero citati da questa produzione che è Teatro vivo ad ogni scena, ma su tutte spicca la scelta di inserire i balli durante la notte di Walpurgis: qui, non più una grotta oscura, ma un palcoscenico su cui Faust assiste impotente alla pantomima danzata e grottesca dei protagonisti e delle loro vicende, guidati da un Méphistophélès travestito. Se il dramma è maschera e finzione, così i sogni di Faust-artista si infrangono con l’ambiguità di teatro e vita. Tutto questo non sarebbe possibile senza un cast che sappia rendere credibile un konzept registico così spiccato: Vittorio Grigolo è un protagonista vocalmente un po’ troppo spinto, ma sembra nato per questo spettacolo, così come l’avvenenza fisica e la possanza vocale di Erwin Schrott disegnano un maligno dal fascino estremo. Più sciapa, ma tecnicamente ferratissima, la Marguerite di Alexia Voulgaridou, mentre la bacchetta di Frédéric Chaslin si limita ad accompagnare, mancandole quelle nuances che la ricca partitura di Gounod offre. Successo straordinario per un pubblico la cui età media è circa la metà di un normale teatro italiano.»